The Dean has gone. Und wir werden ihn vermissen. Dekan Walter Höflechner geht am Jahresende 2004.
Es begann mit einem Anruf im Februar 2000, zuhause, am Wochenende, es war wohl samstags. Der Dekan an der Leitung zeiht mich des Wahnsinns, der Unbotmäßigkeit, und läßt mich im Übrigen nicht zu Wort kommen. Auf der Fakultätshomepage prangt unübersehbar ein Link zu einer „Resolution“ gegen die neue Regierung, unterzeichnet von Konrad und Csáky (http://www- gewi.kfunigraz.ac.at/zg/resolution/resolution.html ): „Mit großer Sorge verfolgen wir die jüngste politische Entwicklung in unserem Lande.“ Irritiert, obwohl an familiäre Konflikte gewöhnt, rief ich beim damaligen „Alten“an und erbat seine Unterstützung: Klaus Lichem planierte. Mir wurde klar: der Dekan meint es ernst, er hatte als erster die Rolle unseres Liebkindes, des WWW-GEWI, ebenso klar gestellt wie seine Position.
Viele Male habe ich seither voll der Bewunderung gesehen, wie Sie die Zeichen der Zeit erkannt haben. Man konnte mit Ihnen schwierige, auch technische Dinge besprechen, von denen Sie nicht allzu viel wußten, Sie hatten aber immer das richtige Gespür für die Implikationen, die sozialen Konsequenzen, Sie konnten am Flug des Schmetterlings das Wetter der nächsten Monate ablesen. Das hängt wohl auch mit Ihrer gesicherten weltanschaulichen Position zusammen, von der aus Sie – ein echter Konservativer – die Entwicklungen zu deuten und auch zu lenken verstehen, oft unbemerkt unter der Decke des Alltagsgetümels. Unbemerkt von den eitlen Zeitgenossen haben Sie das Universitätssiegel „verbessert“. Sie wissen viel von den Menschen, haben einen erstaunlich scharfen Blick auf deren Stärken und Schwächen, deren soziale Verortung in den Prozessen. So scharfsinnig Sie im Denken und Urteilen sind, so vorsichtig und verantwortungsvoll planend sind Sie in Ihren Handlungen. Und Sie hatten immer – frei von Eitelkeit oder Narzißmus – den Blaumann an und das Ganze der Fakultät im Visier, wozu Sie von Ihrer Profession her prädestiniert sind. Wir haben es sicherlich Ihnen zu verdanken, dass es die Fakultät noch gibt, das GewiLab, das INIG, sie haben in den schwierigen Zeiten die alte Straßenwalze geölt und auf Vordermann gebracht, den Laden saniert; die Früchte dieser Arbeit werden andere ernten (sofern sie nicht zuvor Agent Orange einsetzen). „Unterm Höflechner wär‘ das nicht passiert“ – es ist zu hoffen und zugleich höchst unwahrscheinlich, dass wir das nicht allzuoft in Zukunft hören müssen. Sie haben der Fakultät auch nach außen Stellenwert und Ansehen verschafft, Sie waren ein „Mehrer des Reiches“ und eine Verkörperung des Geistewissenschaftlers par excellence.
Sie waren ein Dekan, von dem man lernen, mit dem zusammen man arbeiten konnte, jeder an seinem Platz. Ihre Kritik habe ich mir immer gewünscht, sie war sachlich, hilfreich, immer getragen vom Willen, es besser zu machen. Nie hatte ich das Gefühl, Spielball anderer Interessen zu sein, für andere Pläne ausgenützt zu werden, nie Angst, in ein offenes Messer zu laufen. Sie sind Autorität im besten Sinne des Worts. „Pacta sunt servanda“, auch das ein Satz, nach dem Sie gemessen werden konnten. Nie haben Sie endgültige Zusagen zurückgezogen, man konnte dem Wort des Dekans trauen.
Und Sie können Geschichten erzählen, auch das habe ich sehr genossen, vor allem bei den wenigen gemeinsamen Ausfahrten, wenn die Zeit lang wurde (und sich an Ihren Fahrstil – sind Sie doch ein Golffahrer – gewöhnt hatte) – die „Meine Frau“-Geschichten erinnerten mich übrigens immer an den Inspektor Colombo. Ich werde auch die vielen Freitagabend-Termine vermissen. An diesen Abenden, wo der Staub der Woche zu Boden fallen wollte und Sie das „Mineralwasser“ auspackten, haben Sie sich oft viel Zeit genommen, und den Blick ein wenig schweifen lassen, Einblick gewährt, Nüsse verteilt.
Alles das und noch viel mehr, von dem zu erzählen, mir die Zeit nicht reicht, werde in der offiziellen Zukunft vermissen, denn ich spüre, dass sich die Zeiten ändern. Dass eine „neue Generation“, die bloß um 10-15 Jahre jünger ist, antritt, die jene Schnitte machen wird, zu denen Sie vielleicht nicht willens waren. Aus der Straßenwalze mit Golfantrieb wird vielleicht ein Audi, Mercedes, BMW mit drei Rädern; wer mich kennt, weiß, wie ich zu Autos dieses Zuschnitts stehe.
Ich (und mit mir das ganze GewiLab) wünsche Ihnen, verehrter Herr Dekan, für die Zukunft und Ihre Pläne für den Rest Ihres akademischen Lebens das Beste. Mögen Sie sich im „Rattenstall“ gut einrichten; auf unsere Hilfe können Sie zählen.
Q.F.F.F.S.
Peter Langmann Graz, 17.12.2004
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