Mit dem Rad nach Bosnien


15.-30.Mai 2026

Die Planungen für Bosnien gestalten sich schwieriger als gewohnt. Wie kommen wir mit der Bahn dorthin? Oder geht auch Bus? Wie kommen wir wieder zurück? Langsam kristallisiert sich eine Möglichkeit heraus. D. ist mit der KI beschäftigt und en passant liefert sie (mit Namen Ada) auch einige Vorschläge. Noch klingen viele Namen fremd und sind schwer zu merken …
Aber: wir haben schon ein Datum 🙂

Zwischenzeitlich tauchen auch ganz andere Pläne auf, vielleicht doch lieber ins Baltikum? … Wollen wir aber auf den Herbst verschieben. Die Aussicht auf das wilde Bosnien siegt über die kurische Nährung.

Noch ist einiges zu erledigen, etwa Abschiednehmen vom Sauerteig. Fragen über Fragen: Werden wir überleben? Oder von Bären gerissen, von Schlangen gebissen, von Skorpionen gestochen, von Wildschweinen überrannt? Das Notfallskit ist immerhin schon gepackt.

Bedenken wegen der Schotterstrecken …

„We got all sorts of opinions from cyclists for this stage: from it being terrible to it being her (and she was riding a gravel bike, not a MTB!) best stage on the entire Trans Dinarica“,

heißt es auf deren Website. Dazu noch leere Bereiche in Booking.com. Wir müssen umdenken, die Etappen nach Unterkünften und Verpflegungsmöglichkeiten planen – eine bislang eher unbekannte Challenge für uns, die Gemütlich-Reisenden.

Ankunft in Zagreb am 15.Mai

Wieder ein Hotel Central zu Beginn (wir erinnern uns an Pilsen). Dann noch ab ins Bacchus zum Tour-Einstandsbier.

Los geht’s nach Knin

Wir nehmen die Bahn nach Knin – kein Problem, oder doch? Die Überraschung um 7 Uhr morgens: Schienenersatzverkehr ab Karlovac bis Oštarije (wo, bitte, ist das?) – und Regen den ganzen Tag. Mit unserem Ticketbegehren überfordern wir drei mittelalterliche Schalterdamen heillos. Schließlich bezwingen sie in gemeinsamer Anstrengung die App der Kroatischen Bahn. Daraufhin brauchen wir mal den „zweiten Kaffee“! Mein Freund lässt sich von den Bahnhofsbären trösten.

Nicht gern erinnern wir uns an die (eigentlich überflüssige) Taxifahrt mit dem gesprächigen, etwas nuttigen Taxler, der nicht nur die Goldmarie, D.s Lieblingsrad, schwer beleidigt, sondern uns auch noch mit 120€ schröpft. Wenigstens die Pizza in der Pizzeria Antica in Ogulin war die Reise wert! Allerdings müssen wir dann 8 km durch den Regen – und suchen den Bahnhof (der nicht dort ist, wo ich und komoot ihn vermuten). Immerhin wurden wir von lustigen Mädels eines Besseren belehrt!

Geschafft – wenn auch nicht grad trocken. Die Radln bekommen einen eigenn Salon im gut gealterten Dieselzug, wir tuckern los und richten uns wohl oder übel auf vier Stunden Fahrt mit dem Split-Express ein.

Wir checken bei den „drei Jägern“ bei der reschen Dame am Tresen ein und beziehen eine kleine Kemenate. Ein erstes Bier unter rauchenden Männern. Ach ja, hier wird noch getschickt in den Lokalen!

Gleich gegenüber, was ist das? Eine Zwingburg, ein Raumschiff, eine Kaserne, oder doch was Katholisches?

Bevor wir uns beschnarchen, gibt es noch das ESC-Finale in einem netten Café. Endlich können wir uns aufs Ohr hauen…

Das Tri Lovci besticht durch das Spiegel-Stiegenhaus mit den Halbstufen-Stolperfallen. Vor etwas über dreißig Jahren war Knin mit seiner Königsburg noch eine mehrheitlich serbische Stadt…

Endlich aufs Rad – Ziel: Sinj

Beim Frühstück raucht schon der Balkangrill. Endlich kann es losgehen! Wetter für Postkarten. Besuch beim Krčić Wasserfall, dann das Tal der Krka rauf bis nach Kijevo, wo im Bürgerkrieg erst die Kroaten, dann die Serben vertrieben wurden.

Ein Graffito gedenkt der Operation Oluja („Sturm“), der letzten Großoffensive im Kroatienkrieg während der Jugoslawienkriege, bei der kroatische Armee- und Polizeieinheiten den Hauptteil der 1991 von den Krajina-Serben besetzten Gebiete zurückeroberten.

Aber: Hier kein Bier! Also weiter fahren … endlich, an der Quelle der Cetina gibt es ein Standl mit einem netten, deutsch sprechenden Mann samt Familie, der uns unbedingt neben Getränken auch „Hönig“ verkaufen will, was ihm schließlich gelingt. Ich hab also ein Kilo mehr im Gepäck.

Im Schatten ein Alter, der uns am Uralt-Handy von den Verdiensten der faschistischen HOS berichten will. Ein erster Kontakt mit dem kroatischen Neofaschismus, der sich in Sinj fortsetzen wird.

Nachdem der Durst gelöscht ist, lässt das unglaublich blaue Auge der Cetina-Quelle das Herz höher schlagen. Vorbei an der Crkva Svetog Spasa, einer Kirche aus dem 9.-10.Jh, geht es gemütlich der Cetina entlang bis zum Stausee Peručko Jezero.

Abstecher nach Budiša, wo wir – nach Auseinandersetzungen mit kläffenden Kötern – von Ante mit Pršut, Käse und Bier verköstigt werden. Weil dort grad eine Erstkommunion gefeiert wird, übernachten wir nicht hier und ziehen weiter nach Sinj. An unserer Seite der Perućko-Stausee und Winnetou-Pfade (ohne Foto, leider). D. rezitiert Passagen von „Im Land der Skipetaren“ …

.. und entdeckt mit geschultem Auge grad rechtzeitig ein Minitschecherl mit ein paar alten Herren und interessiert sich für die landesübliche Boccia-Variante. Ivan bringt Bier und Nahrhaftes – perfekt!

Angekommen im Hotel Alkar, empfiehlt der Kellner für den Tagesabschluss die Bar Lov („Jagd“). Wir werden von einer besoffenen Runde junger Identitärer mit Hitlergrüßen empfangen. Stolz erklärt der Wortführer, dass er auch dieses Jahr wieder zur Identitären-Demo nach Wien fahren wird. Ein nicht gerade weiß aussehender Marokkaner aus der Runde lädt uns ein, wir werden von allen Seiten bequatscht – bis wir uns nach draußen absetzen und das Erlebte erst mal verdauen müssen.

Endlich Bosnien – auf nach Livno

Nach einem beschaulichen, danach steilen Anstieg folgt die elendslange Anfahrt zum Pass Vaganj. Die Straße ist recht neu und mit perfekten Steigungen. Es gibt nachzu keinen Verkehr, aber tatsächlich zwei richtige Grenzstationen. Rasten an der Grenze unerwünscht. Ich bummle allein vor mich hin und unterhalte mich mit der Blütenpracht am Straßenrand – es ist Mai und es gibt wenig Autos und viel Natur.

Nach dem Wilde-Pferde-Pass eine fulminante Abfahrt ins Livno Polje. Keine Bäre, Wölfe, Schlagen etc. Es geht quer durch die weitgehend naturbelassene. moorige Ebene in Richtung Livno, flankiert von Baumruinen.

D. ist inzwischen mit sicherem Gespür in einem Tschecherl gelandet und bereits bei Bier im Gespräch mit der Wirtin. Zwei Speichen beim Hinterrad sind gebrochen, verursacht durch eine Beschädigung, die wohl – so die Mutmaßung – durch den unsensiblen Taxler aus Karlovac stammt. Die geplante Tour steht in Frage. Wir bekommen die Adresse eines „Vulkanizers“, der auch Fahrräder repariert.

Komoot macht es mal wieder spannend auf dem Weg zum Wellblechappartement Melani, das wir erst durch die winkenden netten Mädels finden. Mit dem Radldoktor wird aber nix.