Das Toleranzedikt des Kaisers Ashoka


Der indische Kaiser Ashoka regierte im 3. vorchristlichen Jahrhundert. In seinem Felsedikt zur Toleranz heißt es:

Der König Devānampriya Priyadārsin (der Göttergeliebte, der König, der alles mit Wohlwollen betrachtet) ehrt alle religiösen Vereinigungen, sowohl Büßer wie Laienanhänger, mit Spenden und bedenkt sie auch sonst mit allerlei Ehrungen. Aber äußeren Reichtum und Ansehen hält Devānampriya bei allen religiösen Vereinigungen nicht für so wichtig wie das Wachstum der inneren Werte. Dieses Wachstum der inneren Werte ist auf vielfache Weise möglich.

Voraussetzung aber dafür ist die Zurückhaltung im Reden, auf dass man nicht bei unpassender Gelegenheit die eigene religiöse Vereinigung herausstreiche und über andere religiöse Vereinigungen abfällig urteile. Auf jeden Fall aber muss man sich bei Lob und Tadel Mäßigung auferlegen. Bei passender Gelegenheit aber soll man auch den anderen religiösen Vereinigungen seine Achtung bezeugen. Wenn man sich so verhält, dann fördert man die eigene religiöse Vereinigung und benimmt sich richtig gegen die anderen religiösen Vereinigungen. Verhält man sich anders, so schädigt man die eigene religiöse Vereinigung und verletzt die anderen religiösen Vereinigungen. Wer aber die eigene religiöse Vereinigung herausstreicht und über die anderen religiösen Vereinigungen abfällig urteilt und dies alles in der Absicht, der eigenen religiösen Vereinigung einen Dienst zu erweisen und die Interessen der eigenen religiösen Vereinigung zu fördern, der fügt durch solches Verhalten der eigenen religiösen Vereinigung nur beträchtlichen Schaden zu.


So ist denn nur das Zusammengehen gut, auf dass ein jeder der Sittenlehre des anderen Gehör und Aufmerksamkeit schenke. Denn es ist der Wunsch des Devānampriya, alle religiösen Vereinigungen möchten begierig sein, noch etwas hinzuzulernen, und möchten sich nur das Gute zum Ziele setzen.

http://www.palikanon.de/diverses/asoka/asoka1.htm