Verbale Beurteilung / Lernzielorientierte Beurteilung
„Wir sehen die Leistungen der Schülerin den einzelnen Gegenständen als eng verknüpft mit der Gesamtpersönlichkeit des Schülers mit seinem Zustand als Gesamtpersönlichkeit und auch mit seinem sozialen Verhalten und seiner Position in der Gruppe der Kinder.“
(1) Modellschulbuch 1984
„LERNZIELORIENTIERTE BEURTEILUNG: Dieser Schulversuch ersetzt die Ziffernnote durch Beurteilungsblätter, auf denen der Lehrstoff der einzelnen Fächer in Lernziele aufgegliedert ist. Die Beurteilung dieser Lernziele erfolgt in drei Stufen. Dies ermöglicht eine differenziertere Bewertung der Kenntnisse der Schüler und fördert sachorientiertes Lernen.“
(2) Modellschulbuch 1990
Gestaltpädagogik
„Die verstärkt vertrauliche Atmosphäre an der Schule ist Voraussetzung für das Wohlbefinden und zugleich ein Ansatzpunkt für echtes Lernen. Sie schafft die Voraussetzung für primäre Lernmotivation und Leistungsbereitschaft.“
(1) Modellschulbuch 1984
„Gestaltpädagogik ist mehr als eine Methode zur Erfüllung des Lehrplans. Gestaltpädagogik hat ein bestimmtes Menschenbild zum Inhalt“
„So ist der Mensch auch kein Gegenstand, den ein anderer Mensch so lange bearbeiten kann, bis er die gewünschte Form erreicht hat, sondern ein Lebewesen, das sich auch nach einem inneren Prinzip und nach einem inneren Zeitplan entwickelt.“
„Das Erziehungsziel der Gestaltpädagogik ist, sich selbst kennenzulernen, dem anderen begegnen zu können, die Welt realistisch zu sehen und einschätzen zu können, um sie menschlich umzugestalten.“
„Diese weitgesteckten Ziele – Kooperationsfähigkeit, emotionale Ausdrucksfähigkeit und Erkennen der eigenen Wünsche sind uns Eltern ebenso wichtig wie der Wissenserwerb, da sie unserer Meinung nach den Anforderungen von morgen entsprechen.“
(1) Modellschulbuch 1984
Schulleben
„Die sozialen Interaktionsmuster laufen hier so dicht, wie ich es niemals bisher erlebt habe. Jedes Kind hat zu jedem Kind in der Klasse eine differenzierte Beziehung, die es auch ausdrücken kann. Auch die Trennung zwischen Buben und Mädchen, die im ersten Halbjahr noch recht strikt verlaufen ist, beginnt sich jetzt schon aufzulösen. Die Kinder gehen auffallend verständnisvoll miteinander und auch mit uns Erwachsenen um…“
(1) Modellschulbuch 1984
Organisationsform
„Wir wollten nicht die hierarchisch strukturierte Organisationsform der öffentlichen Schule übernehmen und haben und zur kollektiven Leitung entschlossen. … Ein monatlich wechselnder ‚Häuptling‘ koordiniert und gibt Impulse.“
„Dabei werden wir [von der Schulbehörde] mit unverhohlener Skepsis beobachtet.“
(1) Modellschulbuch 1984
„ÄUSSERER RAHMEN: Beschränkung der Klassenschülerzahlen auf 20. Beschränkung der Schulgröße auf 8 Klassen. Lehrer und Erzieher werden auf ihre besondere Eignung und Motivation hin ausgesucht.“
„INNERER RAHMEN: Ausgerichtet nach dem Prinzip, allen Betroffenen die Möglichkeit zu geben, mitzuplanen und mitzuentscheiden.“
(2) Modellschulbuch 1990
„LEHRERWAHL: Ein aus Lehrern, Eltern und Schülern
paritätisch zusammengesetztes Gremium wählt die Lehrer.“„KOLLEKTIVE LEITUNG: Die Arbeit der Verwaltung und
Leitung wird von Mitgliedern des Lehrkörpers übernommen.
Das Direktorengehalt wird teilweise aufgeteilt, teilweise für die
gemeinsame Fortbildung verwendet.“„DIREKTOR(IN) AUF ZEIT: Wird von Lehrern und Eltern auf 2 Jahre gewählt.“
(2) Modellschulbuch 1990
Gremien und Rituale
Montagssitzungen
„An diesem Fixtermin, der zwischen 3 und 4 Stunden dauert, nehmen die Lehrer teil, manchmal auch der Vereinsobmann und Elternvertreter der einzelnen Klassen. Hier wird alle Organisationsarbeit geleistet, die anfällt, Projekte werden vorbereitet und abgesprochen, meist wird vor dem eigentlichen Beginn noch über eine Klasse geredet. Die Montagssitzung leitet ein/e für mehrere Monate gewählte/r Kollege (Kollegin) – der „Häuptling„. Er hat nach einem festgelegten Strukturplan die Themen der Woche gesammelt und aufgelistet: Lob und Tadel der Woche werden zuerst vergeben. Der „Häuptling“ entscheidet auch, welche Informationen und größere Themen für das Plenum bestimmt sind und was in Arbeitsgruppen behandelt werden soll. Das hat sich als sehr günstig erwiesen, auch wenn es größeren Gruppen (bei voller Besetzung 20 Lehrer) eigen zu sein scheint, sich nicht in Kleingruppen teilen zu wollen.“
„Rituale, welche die Mühsal der langen Sitzungen erleichtern helfen, haben sich auch in der Montagssitzung herausgebildet, so z.B. die „warmen 5 Minuten„: Sie werden eingeschoben, wenn der Häuptling den richtigenZeitpunkt dafür gekommen glaubt. In einer Runde erzählen alle, was ihnen in der letzten Woche an Erfreulichem in der Schule begegnet ist, und so erinnern wir uns an das Schöne, das uns an diesem Arbeitsplatz begegnet.“
„In Situationen, in denen unerträglich dicke Luft sich nicht verflüchtigt, einfach nichts mehr weitergeht, nur noch am Thema vorbeigeredet wird und selbst der Gesprächsleiter Teil des Schlamassels geworden zu sein scheint, tritt der „Stopper“ in Aktion. Es ist das ein/e von den Lehrern ausgewählte/er Kollege/in, der in solchen Augenblicken „STOP“ sagt, und dann müssen alle 2 Minuten ruhig sein und womöglich nachdenken – eine sehr heilsame Einrichtung.“ Geplant war auch der „Verhau der Woche„.
(2) Modellschulbuch 1990
Der Schülerrat
„Von der 1.Klasse an wirken Klassenvertreter in diesem Gremium mit, das klassenübergreifend an der Gestaltung der Schule mitarbeitet.“
(2) Modellschulbuch 1990
Das Palaver
Eine Wochenstunde ist stundenplanmäßig für jede
(2) Modellschulbuch 1990
Klasse verankert, um anfallende Gruppenprobleme zu klären
und das soziale Klima in der Klasse zu verbessern.
„Bei einem großem Ausmaß an frei flottierender Angriffslust empfiehlt sich folgende Übung: man sucht still für sich eine Person aus und schreibt alle Assoziationen zu dieser Person auf. Dann sucht er/sie sich einige Eigenschaften dieser Person aus, natürlich solche, die ihm/ihr besonders wesentlich erscheinen, und versucht alsdann herauszufinden, wie weit diese Eigenschaften mit ihm/ihr selbst zu tun haben. Beim Besprechen dieser Projektionsübung wird häufig klar, wie sehr Seiten, die uns an anderen auf die Nerven gehen, mit unseren eigenen „Schatten“ verbunden sind.
Jede/r braucht ab uns zu „ein Bad der Freundlichkeit„. Das geht ganz einfach: die Namen aller Anwesenden auf Zettel schreiben, ziehen, und über die gezogene Person so viele gute Meldungen wie möglich aufschreiben, noch einmal in den Topf damit, noch einmal ziehen, laut vorlesen und erraten, um wen es sich handeln könnte. Danach geht meistens alles wieder besser.“
(2) Modellschulbuch 1990
Rückblicke
Ein Mittwoch im Mai, 1. Jahrzehnt
„Vorgestern während der Supervisionseinheit konnten wir
zwar schon einiges austauschen, aber es gilt ja auch die Anforderungen der Behörde zu berücksichtigen, denn nun könnten wir bald das Öffentlichkeitsrecht auf Dauer bekommen, um das wir jedes Jahr bangen. Die Frage ist: Verändern wir das System oder das System uns?Andererseits sind die SchülerInnen mit viel Eifer und Interesse dabei [beim fächerübergreifenden Projektunterricht] – eigentlich sollte man die Fächergrenzen sowieso aufheben – und es macht mir auch Spaß und gibt mir Energie, gemeinsam mit Kolleginnen Projekte zu planen und durchzuführen und Abende lang über Pädagogik zu diskutieren. Sicher wird es auch heute wieder lange dauern und dann gehen wir noch in den Mohrenwirt und essen Gibanica. Ob der Vorschlag, dass wir alle gemeinsam – die ganze Schule – drei Tage an einem See verbringen, die Zustimmung der Mehrheit finden wird? Und wie organisiere ich das dann? Mit Olga und so?“
Ulla Winter, Fiktives Tagebuch einer Modellschullehrerin – (5) Jubiläumsausgabe 30 Jahre 2013
Ein Rückblick
„Der Spagat zwischen Blumenwiese und knochentrockener Lernarbeit war nicht leicht zu schaffen, und der Spagat zwischen absoluter Schuldemokratie und notwendiger Anerkennung im staatlichen Gefüge schon gar nicht. […]
Wir liefen grundsätzlich in Jeans und Leiberl herum, was damals für Lehrpersonen absolut nicht standesgemäß war, scherten uns nicht besonders um Ordnung und gingen sehr locker mit Disziplin um. Die Schulaufsicht war nicht glücklich mit diesem neuen, respektlosen Schulmodell und hoffte vielleicht, dass es sich nach ein bis zwei Jahren von selbst totlaufen würde. Aber wir schafften es… […]
Damals waren wir noch jung genug, um jedes Jahr für eine Woche 1000 km nach Italien oder nach Dalmatien zu fahren, um dort unter freiem Himmel und im Badeanzug im Kreis sitzend an der Vorbereitung des Schuljahrs zu arbeiten. Nie werde ich diese Zeiten vergessen, sie waren – im Nachhinein besehen – wunderbar. […]
Ich hoffe zutiefst, dass sie ihre grundlegenden Ideale niemals verrät und ihre Identität als einzige wirklich demokratische höhere Schule Österreichs – wenn nicht gar Europas (mit Öffentlichkeitsrecht) beibehält.“
Rückblick von Ute Kienzl – (5) Jubiläumsausgabe 30 Jahre 2013
Die Kunst, das Unvollkommene zu tun
„Die Lehrer haben sich von der Idee fixe befreit, die ‚vollkommene‘ Schule erfinden zu wollen. Sie begnügen sich damit, eine ‚möglichst gute‘ Schule zu machen. Die unlösbaren Widersprüche dürfen da sein und niemand glaubt, sie lösen zu können. Es ist Raum für Freiheit und Regeln, für Genauigkeit und Chaos, für Leistung und Versagen, für Verständnis und Strenge, die Einmaligkeit und das Gemeinsame.
Mit Widersprüchen zu leben und Selbstorganisation in einem vertretbaren Rahmen zuzulassen ist die pädagogische Meisterdisziplin und sehr schwer mit lockerer Hand und leichtem Herzen durchzuführen.“
Eva Scala – (3) Jubiläumsausgabe 20 Jahre 2003
Der Landesschulinspektor
Resümee
„Im Grunde genommen ist die Modellschule mit ihren pädagogischen Innovationen eine Reformschule im Sinn des Hartmut von Hentig: Sie setzt selbst initiativ pädagogische Segel, ist aber auch dazu bereit und in der Lage, pädagogische Hypothesen zu überprüfen. Der unmaskierte und freundschaftliche Umgang mit der Schulaufsicht erleichtert dabei die gemeinsame Problemlösung ungemein.
Die Modellschule beherzigt auch die Forderung Hartmut von Hentigs, dass wir es zuerst mit den Lebensprozessen unserer Schüler/innen aufnehmen müssen, bevor wir ihre Lernprobleme lösen können.
Zum runden Jubiläum darf man der Modellschule wünschen, dass sie ihren schulreformatorischen Impetus, ihren Bildungsoptimismus und ihr pädagogisches Engagement zumindest ein weiteres viertel Jahrhundert aufrecht erhalten kann.“
Robert Hinteregger – (4) Jubiläumsausgabe 25 Jahre 2009
Manches braucht etwas Zeit …
„Errichtung eines Zubaues, der Aula, Speiseraum und Veranstaltungsraum sein sollte. Zubau eines Geräteraumes, um den „kleinen Turnsaal“ besser nutzen zu können. Umbau der Küche und Speiseausgabe um einen verbesserten Ablauf der Essensausgabe und Geschirrrückgabe zu ermöglichen. Pläne und Kostenschätzungen für diese Projekte sind bereits erarbeitet.
Und zuletzt etwas Visionäres. Die Schulerweiterung auf 2 Klassen pro Jahrgang. Dieses Projekt ist von Seiten des Landesschulrates durchaus wohlwollend aufgenommen worden. Die Erweiterung des Schulraumes muss aber durch den Verein finanziert werden.“
Hannes Reiner, Obmann – (4) Jubiläumsausgabe 25 Jahre 2009
Rückblicke der Schüler:innen der ersten 1. Klasse
„Zum Essen ging es in den Keller, wo uns dunkelbraune Vollkornnudeln (der 1. Generation) und Salat mit kaltgepresstem Distelöl erwarteten – bäh! […] Eine angstfreie und erlebnisreiche Zeit, in der der ganze Mensch im Mittelpunkt stand ohne ’null Bock auf Schule‘.“
Duscha – (5) Jubiläumsausgabe 30 Jahre 2013
„Nach 30 Jahren fühlen wir uns auch heute noch mit der Modellschule verbunden und denken wohlwollend und gerne an unsere Schulzeit zurück! Das hat einen ganz einfachen Grund: Wir sind sehr gerne in die Schule gegangen! Wenn Schule Inhalte so vermittelt, dass die Schüler gerne in die Schule kommen, dann ist sie eine gute Schule! 30 Jahre Bestand und 3 Probanden, die dies bezeugen, sind der Beweis dafür.“
Georg, Markus, Paul – (5) Jubiläumsausgabe 30 Jahre 2013
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