3.9.2023 Von Gurs bei Navarrenx nach Lourdes

Die Route (90 km, 1190 hm)
Die Madame des Hauses Les Tanalis, 3 Rue de la Mairie, Gurs hat mir ein wunderschönes Petit Déjeuner vorbereitet. Und verschwindet diskret, um mich in aller Ruhe genießen zu lassen. Beim Einpacken ein längeres Gespräch mit dem Monsieur über Radln und die Geschichte des Hauses. Dieses stammt aus dem 19.Jahrhundert und war zuvor eine Post-Relaisstation zum Pferdewechsel.
Das Wetter bessert sich, ich beschließe noch eine kleine Rundfahrt durch Navarrenx, aber abgesehen von den Festungsanlagen nichts Besonderes entdeckt. Offenbar befinde ich mich auf einem Knotenpunkt einer der Pilgerstraßen nach Santiago. Und auch ich werde mehrfach danach gefragt, ob ich denn ein „Pélerin“ sei.
Über die Hügel geht es nach Monein zu einem Vormittagskaffee beim einzigen offenen Café am großen, rechteckigen Marktplatz des netten Ortes.
Ich nutze die Zeit, um mich mal mit Baskisch zu beschäftigen.
Euskara, so die Eigenbezeichnung, ist die älteste und heute einzige noch existierende isolierte Sprache in ganz Europa. Sie ist weder indogermanischen Ursprungs wie etwa Latein, Deutsch oder Spanisch, noch uralisch wie etwa Finnisch oder Ungarisch, noch semitisch wie etwa Arabisch oder Hebräisch. Baskisch unterscheidet sich auch vollkommen von den anderen europäischen Sprachen mit seinem komplizierten Verbalsystem samt einer polypersonalen Flexion, zehn einzigartigen Diphthongen im Alphabet und einem Vigesimalsystem, einem Zwanzigersystem bei den Zahlen, das offenbar ins Französische eingesickert ist mit zum Beispiel „quatre-vingt-dix“ für 90.
Repräsentieren also die heutigen 750 000 baskischen Muttersprachler den letzten Rest der ersten Europäer? Ist auch ihr Genom unterschiedlich von dem ihrer Nachbarn? Lese ich in der Süddeutschen Zeitung.
Weiter nach Pau, Hauptstadt des Départements Pyrénées-Atlantiques, Gründung der Grafen von Béarn. Ein stattlicher Ort, mit weithin sichtbarer Altstadt und dem Schloss der Grafen. Auch eine Standseilbahn auf den Burgberg findet sich und im Stadtpark am Fluß eine Ausstellung der Sieger der Tour de France – passend für den Radler!
Mit viel Glück finde ich eine offene Pizzeria, einen Platz und schaffe es gerade noch, vor dem Küchenschluss (14:00) zu bestellen. Das rettet den Tag!
Der Fahrradweg in Richtung Lourdes führt am Gave de Pau entlang, gemütlich, entspannend geht es langsam bergan, durch den schönen Ort Nay. Ein Blick auf die Karte: Ich bin im Bigorre.
Lestelle-Betharram – eine weitere Überraschung. Die Genossenschaft der Priester des Heiligsten Herzens Jesu, gegründet in den 30er-Jahren des 19.Jhs, haben hier ihren Sitz, der einen Großteil des Ortes einnimmt. Auch ein berühmtes Höhlensystem gibt es, die Grottes de Bétharram. Kurz danach beginnt die Region Occitanie, ich verlasse Nouvelle Aquitaine.
Mich zieht es weiter zum Camping du Loup am Ortseingang zu Lourdes – wieder eine gute Wahl. Ein (lokales) Bier (ambré) geht sich vor dem Geschäftsschluss gerade noch aus. Zelt aufbauen und – gottlob – Wäsche waschen und trocknen, welch ein Luxus.










