Pyrenäen #7


6.9.2023 – Von Gavarnie über den Col du Tourmalet

Die Route (55 km, 1480 hm)

Ein Blick auf die Route und den kommenden Tag sagt mir: ich sollte mich sputen. Zunächst muss ich in eine Werkstatt, den Hinterreifen tauschen. Dann die größte Herausforderung der Tour. Der Pass Col du Tourmalet, mit 2180 Meter angeblich der höchste, asphaltierte Pass der Pyrenäen, bekannt bei Anhänger:innen der Tour de France.

Zunächst geht es wunderbar schnell bergab bis Luz-St.Sauveur. Es ist kühl… Zum Glück finde ich eine Werkstatt, die auch einen passenden Reifen für mich hat. Wieder bin ich verwundert über die Freundlichkeit der Leute. Machen wir gleich, kein Problem. Nach einer guten halben Stunde geht die Fahrt weiter.

Gleich zu Beginn eine ernüchternde Botschaft: 19 km bergauf. Ich lege mir mal einen Plan B zurecht, aber eigentlich will ich den Pass schaffen und übe mich im Maßhalten. Nur nicht zu schnell, immer mit dem kleinsten Gang, Pausen, mit den Kräften haushalten nicht aufgeben. Zahlreiche sportliche Radfahrer ziehen an mir vorbei, grüßen aufmunternd. Immerhin, ich schleppe ja viel Gewicht mit mir rum.

Menu du Jour in Barrège, wie immer mit gekühltem Wasser am Tisch. Ein Kolibri-Falter leistet Gesellschaft, sonst wenig los, man merkt deutlich, dass die Ferien schon zu Ende sind.

Gedanken auf der Fahrt zum Col du Tourmalet, auf 1200m, nach einer Handvoll Rasern mit Maserati und Porsche, die mit 100 Sachen den Pass runter donnern, und den 1000er-Maschinen, die im Pulk die Kurven mit 80 rauf rasen: Reichtum verdirbt, alle enteignen und den Erlös an die Caritas! Und erst die vielen Campingbusse, die die Landschaft verschandeln… ein Graus.

Dennoch: Beeindruckende Landschaft, frische Luft. Schon von Weitem sieht man die Sepentinen, die Passhöhe – nur nicht demotivieren lassen. Von Zeit zu Zeit die Schilder mit den Höhenangaben: 1700, 1800 …

Schließlich geschafft (und stolz). Als Draufgabe bekomme ich noch ein Bier, obwohl das Gasthaus geschlossen hat, großartig!

Dann die Abfahrt, spektakulär. Es packt mich der Geschwindigkeitsrausch, ich übersehe eine Abzweigung und muss meine Planungen über den Haufen werfen. Am Abend, beim kuriosen Campingplatz in St.Roch (niemand da), beschließe ich, stattdessen nach Carcassonne zu fahren. Das sollte ich auch nicht bereuen.

Es ist schon dunkel, plötzlich kommt der „Administrator“ des Campingplatzes mit Stirnlampe vorbei und verwickelt mich in ein Gespräch, freut sich, einen Österreicher vor sich zu haben, lobt meine Tour. Am Morgen trägt er meine Daten penibel handschriftlich in ein altes Heft ein …

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