Es ist auch ein besonderes Licht, und Damaskus sieht am schönsten in der Morgendämmerung aus, der Stunde der Unschuld, wie ich sie nenne, wenn man gerade anfängt, einen schwarzen von einem weißen Faden zu unterscheiden. Auch der uralte Jasminstrauch in unserem Innenhof duftete nur am Morgen so rein wie die Seele der Babys, danach bedeckten die aufdringlichen Zwiebel-, Knoblauch-und Bratölfahnen seine schüchternen Liebeserklärungen. Als ich erwachsen wurde, schlich ich mich manchmal leise aus dem Haus und der Stadt hinaus, um einen Blick zurück zu werfen und zu erleben, wie Damaskus aufwacht. Die Muezzin und die Glocken der Kirchen waren ihr Wecker.
Rafik Schami in „Sami und der Wunsch nach Freiheit“.