„Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit. Das ist der Slogan der zeitgenössischen Kultur. Warum hat man das Gefühl, dass dieser, wurde er heute formuliert, eher Dem Ort seine Kunst lauten würde – oder Der Kunst ihre Pflicht, verankert zu sein ? Wir leben in einer Zeit, in der die Zeit gegenüber dem Raum verloren hat. […]
Der zentrale Begriff hier sind die Wurzeln, die Herkunft. Nicht der Ort, nicht die Heimat ist ausschlaggebend, sondern die starke, unzerstörbare Verbindung zu ihr, die man selbst dann nicht lösen wird, wenn man im Ausland lebt. Wir stellen uns heutzutage uns selbst und die anderen als Teil der Natur vor, aber interessanterweise nicht als Tiere, die zumindest ein Minimum an freiem Willen haben und dazu neigen, umherzuziehen. Wir begreifen uns als Pflanzen, genauer gesagt als Wurzelgemüse – jenes bescheidene, schmutzige Gemüse, das in Kriegszeiten angebaut wird. In der Küche hat man das Wurzelgemüse als etwas Schickes wiederentdeckt.
Aus der Eröffnungsrede der Intendantin Ekaterina Degot

Natalia Pschenitschnikova
A.E.I.O.U. (2024)
Konzeptuelle Kantate für sieben Stimmen a cappella
„Die Komponistin und experimentelle Musikerin Natalia Pschenitschnikova nimmt diese Abkürzung als Ausgangspunkt für ihre neue phonetisch-politische Performance zum Festivalauftakt. Gemeinsam mit sechs weiteren renommierten Sänger:innen erkundet sie die vielen rätselhaften Buchstabenfolgen der heutigen Zeit – ob politisch, wirtschaftlich oder anderweitig. In Solo- und Chorgesängen präsentiert und zergliedert das Ensemble diese Klänge und hinterfragt ihre Beziehung zur Macht und ihre eigene geheimnisvolle Autorität.“