Dienstag, 17.10.2023
Warum nicht einmal hier bleiben und gemütlich eine Tour de Vicenza einlegen? Nach ein paar Kilometern die schon gut etablierte Kaffeepause.

Auf dem Weg liegt die Villa La Rotonda; leider gibt es Führungen nur am Wochenende. Also ein paar Fotos des monumentalen Bauwerks und Wikipedia als Trockenübung.

Die Villa war nicht als landwirtschaftliches Nutzgebäude oder reines Wohngebäude gedacht. Sie war ein Ort der Zerstreuung, der Erholung und der Erbauung, besonders in den Sommermonaten.
https://de.wikipedia.org/wiki/La_Rotonda
Bischof Paolo Almerico, der Bauherr hatte offensichtlich Geld genug, ein derart luxuriöses Projekt in Auftrag zu geben. Die schöne Unzweckmäßigkeit der Anlage und deren repräsentativer Charakter ist schon Goethe aufgefallen.
Vielleicht hat die Baukunst ihren Luxus niemals höher getrieben. Der Raum, den die Treppen und Vorhallen einnehmen, ist viel größer als der des Hauses selbst; denn jede einzelne Seite würde als Ansicht eines Tempels befriedigen. Inwendig kann man es wohnbar, aber nicht wöhnlich nennen. Der Saal ist von der schönsten Proportion, die Zimmer auch; aber zu den Bedürfnissen eines Sommeraufenthalts einer vornehmen Familie würden sie kaum hinreichen.
https://de.wikipedia.org/wiki/La_Rotonda

Weil wir hier nicht rein können, gehen wir den Weg hinauf zur Villa Valmarana ai Nani, die etwa ein Jahrhundert später in klassizistischem Stil errichtet wurde. Die steinernen grotesken „Gartenzwerge“ auf der Schlossmauer fallen sofort ins Auge, die der Bauherr offenbar zur Belustigung seiner kleinwüchsigen Tochter hatte errichten lassen. Vielleicht wäre eine Führung angeraten gewesen, immerhin gibt Fresken von Tiepolo mit antiken Themen zu sehen. Aber irgendwie stand der Sinn nicht danach.
Wir drehen eine Runde im Parco Querini und suchen uns (endlich einmal!) eine Pizzeria, wo am Nebentisch drei Damen mit zwei Hunden und einer Torte den Geburtstag des Wirten feiern.

Am Nachmittag fährt D. zurück, zu rituellen Waschungen und dem Versuch eines Mittagsschläfchens. Ich muss die berühmte Basilica Palladiana und danach das Teatro Olimpico ansehen, beides Bauten von Palladio. Das Theater ist großartig, mehr oder weniger im Originalzustand und wird noch immer bespielt. Das Proszenium ist als Palastfront gestaltet, in den Öffnungen erstreckt sich eine virtuelle Stadt, die kunstvoll perspektivisch dargestellt ist. Die Decke zeigt einen Himmel und spielt so auf die antiken Freilufttheater an. Auch die Sitzplätze (einfache Treppen aus Holz, die in einem Oval angeordnet sind) erinnern an griechische Theater. In der Vorhalle eine Gedenktafel an den Besuch Goethes.

Danach geht es auf den Monte Berico mit Ausblick auf die Stadt. Der Weg zur Unterkunft führt über die Hügel von Arcugnano.

Die Abendunterhaltung: Einkehr bei der Bar Al Portico in Torri di Arcugnano bei Carmen aus Rumänien. Auf dem Marmortresen entsteigt eine dieser Wanzen aus einer Tasche meines Begleiters.