Abspann: Treviso


Wir nehmen Abschied. Ein Zettel auf den Frühstückstisch mit Abschiedsgrüßen an Vittorio. Es geht nach Treviso, weil von dort aus Mestre auch passabel bei schlechtem Wetter mit dem Rad zu erreichen ist. Schließlich gibt es noch keine Klarheit über den Streik der Eisenbahner.

Die Grafitti, an denen wir nun jeden Tag zweimal vorbeigekommen sind, wollen noch fotografiert werden.

Am Ortsende von Vicenza der obligate Kaffee. Es ist trüb und könnte jederzeit zu regnen beginnen. Wir strampeln Richtung Citadella, einfach nur treten. Ein Mal fahren wir ein Stück weit auf der SS53 und schaffen es beinahe nicht, diese zu überqueren, treffen einen Radler, der uns stolz seine Armprothese zeigt. Tatsächlich bremst ein Auto und lässt uns über die Straße.

In Fontaniva genehmigen wir uns einen Toast, im Lokal ein heftiger Streit, der beinahe in Handgreiflichkeiten ausartet. Das Regengewand wird ausgepackt und ein Zimmer gebucht.

Der Ortskern von Cittadella: eine Festungsanlage, oval, mit Wassergraben und doppeltem Mauerring aus Ziegeln. Faszinierend, zugleich sieht das Ganze wie eine unwirkliche Kulisse aus, die an Palma Nova oder auch ein wenig an Carcassonne erinnert.

Eine kurze Rundfahrt, einen weiteren Kaffee am zentralen Platz. Morgen steigt dort ein Fest, erfahren wir. Es regnet, wir beschließen, den Zug zu nehmen und suchen den Bahnhof (mit Bar!).

In Treviso angekommen. Am Bahnhof brüllt ein Dunkelhäutiger gefährlich aggressiv herum und stänkert Passant:innen an, ich sehe zu, dass ich außer Reichweite komme. Auf dem Weg zum Hotel 3 Santi schüttet es, als wir an einem Kanal entlang fahren, meinem Ohrhörer geht der Strom aus, als keine Navigation mehr, ich verliere D., dann schaff ich es doch zum Hotel.

Schon am Eingang begrüßen uns seltsame Kunstobjekte, garniert mit Plastikblumen. An der Rezeption eine welke Schönheit mit eigenartigem Kommunikationsverhalten, die Einrichtung erinnert an Magical Mystery Tour, sie hat interessantere Tage erlebt. Überall hängen Bilder und stehen Kunstobjekte in psychedelisch wirkenden Farben, eine wertige, aber aus der Zeit gefallene Bar im Hintergrund. Es stellt sich heraus: Der Hotelier ist tatsächlich der Urheber all dieser Werke. Vor dem Haus steht der ikonische VW-Bus aus den frühen Siebzigern in Blau-Violett-Pink. Wieso die Hütte „Zu den drei Heiligen“ heißt, kann nur spekuliert werden: 😉

Wir sind nach dem Check-In nicht mehr sehr motiviert, die Stadt zu erkunden. Aber es gibt einen Jahrmarkt – Fiere di San Luca – in der Nähe, wo es abgesehen von den unvermeidlichen Zuckerdingen auch richtiges Futter gibt, Frittelle und Patatine oder Bausatz-Panini zum Beispiel. Während wir uns den Bauch vollschlagen, tritt ein Nikolaus auf – der erste dieses Jahr 😉

Das Frühstück: Italienisch, Croissant und Espresso. Aber: Serviert vom Künstler himself, der mit kleinen Schritten so um die Bar zuckelt, dass man um das Frühstück bangt. Sein Äußeres passt perfekt zur Umgebung, pinkes Jackett, bunte Hose, schlohweißes Haar; irgendwie erinnert er an einen Hofnarren bei den Medici. Und wieder bin ich zu feig, um ein Foto zu bitten, schade. Bald nimmt er sich einen passenden Schirm, wuselt zu seinem Bus, schafft es mit Mühe, einzusteigen – und ja, der Motor springt tatsächlich an! Überraschend entschlossen gibt er Gas und fährt los.

Bei der Fahrt ins Zentrum zahllose, schöne Grafitti!

Kurze Rundfahrt durch Treviso, eine quirlige, laute Stadt mit zusammengewürfelter Architektur und viel Wasser um und durch die Altstadt. Zwei Cappucci später noch ein gemeinsames Mittagessen (am Nebentisch „streikende“ Eisenbahner), dann trennen sich unsere Wege – bis zum nächsten Mal. Pläne gibt es genug, möge das Frühjahr kommen!