Sonntag, 15.10.2023
Rurales Frühstück, gewürzt mit der Unterhaltung durch ein Paar aus Equador, das – mittlerweile in Spanien wohnend – Richtung Venedig will. Wir, die wir kein Spanisch können, sprechen mit den Händen und können uns kaum der sprudelnden Kommunikation erwehren. Spaß machen die weichen Eier, die sich als harte ausgeben und deren Dotter überraschend auf den Fingern landet.

Mit dem Zug über Verona nach Peschiera del Garda. Wir wollen über das Mincio-Tal nach Mantua. Dort mag es zwar sommers nach Minzen duften, aber Name das Flusses hat damit nichts gemein.
Peschiera: Ein spannender, sehr schön gelegener Ort, wäre er nicht so überfüllt mit Touristen, die in den engen Gassen sogar Radfahren unmöglich machen – und das im Oktober. Wir überqueren vom Bahnhof kommend zwei Inseln, die militärischen Zwecken dienten. Vor allem die mittlere der drei Inseln ist zu einem mächtigen Fort ausgebaut, war der Ort doch bis 1866 Teil des berühmten k.u.k.- Festungsvierecks (Peschiera-Mantua-Verona-Legnago) mit dem Mincio als natürliche Barriere. Übrigens ein alter Siedlungsort; schon in der frühen Bronzezeit gab es hier Pfahlbauten.

Ein Cafè muss aber sein, beim kleinen Standl mit Blick auf den See. Danach geht es los, durch die Auen, zu Beginn sehr schön, mit türkisem Wasser, später unspektakulär. Ein Imbiss bei Chiosco dei Mulini – zu empfehlen, gute Wahl.

Spektakulär dann die Einfahrt nach Mantua, über die Ponte dei Mulini, linker Hand der große See, Lage Superiore, dann ein Cafè bei Zangara. Die Stadt ist eine etruskische Gründung, später eine strategisch wichtige, kaisertreue Stadt, seit 1328 regiert von den Gonzagas, danach großteils bei Österreich bis 1866.
Schon im Mittelalter wurde der Mincio zum Schutz der Stadt aufgestaut, der Stadtkern wurde auch auf der Südwestseite durch einen Kanal geschützt. Ich bin überrascht über das viele Wasser in den Städten, die wir besuchen.

Auf dem Weg zum Palazzo Ducale passieren wir die gut besuchte Promenade am Lago di Mezzo. Am Piazza Sordello beeindruckt die Schönheit des Platzes und der beiden berühmten Bauten, dem Herzogspalast und dem Dom. Letzterer wurde zu einem wahren Erlebnis. Die hallenartige Anlage, die klassischen korinthischen Säulen, die zwei großzügigen Seitenschiffe mit Tonnengewölben erinnern an antike Tempel (oder Basiliken) mehr als an Kirchenbauten, wie wir sie aus Österreich kennen. Dazu passt auch die hervorstechende klassizistische Fassade aus weißem Marmor.

Bald wird klar, dass wir gerade zurecht zum Fest der Sbrisolona (ein Mandelkuchen). Ein städtischer Würdenträger tritt auf, danach kommt ein Zug, begleitet von Fanfaren und Trommeln und Fahnenschwingern. Ihnen folgen Bürger:innen in historischen Kostümen. Es ist fast kein Durchkommen mehr, das Rad muss abgestellt werden.
Eine kleine Nachforschung ergibt, dass wir einem drei Tage dauernden Fest beiwohnen. Auf der Webseite des Sbrisonola-Festivals heißt es (Übersetzung Google 🙂
Eine historische Prozession in Renaissance-Kleidung wird durch die Straßen des Zentrums ziehen, die an die Hochzeit zwischen Isabella d’Este und Francesco II Gonzaga erinnert, eine Gelegenheit, bei der traditionell der Rosettenkuchen traditionell zum ersten Mal zubereitet wurde, ein Eckpfeiler der Mantua-Konditoreitradition, die speziell von Hofkonditoren geschaffen wurde, um die jungen Braut zu huldigen. Dame, Ritter, Sessels und Streitkräfte werden das Brautpaar in einer Hochzeitszug bis zum Moment ihrer Ehegewerkschaft begleiten.
https://www.sbrisolonafestival.it/programma-2023
Ich schlage mich zum Palazzo delle Ragione durch, schaue bei der Rotonda di San Lorenzo aus dem 11.Jahrhundert vorbei, einem schönen Rundbau in der Tradition der Grabeskirche in Jerusalem. Dann – ich hab nicht mehr viel Zeit – muss ein Blick in die Kirche Basilica di Sant’Andrea sein. Hier beeindruckt vor allem das wunderschön klassizistische, kassettierte Tonnengewölbe. Die Heilig-Blut-Reliquie ist mir dabei entgangen.
Schnell zum Bahnhof, wo wir uns verabredet haben. Doch es kommt anders: mein Rad hat einen Patschen, offensichtlich angestochen. Das bedeutet: Schieben, laufen, grade noch den Zug geschafft… Gemeinsam reparieren wir das Rad gleich am Bahnhof.
Einkehr im Palazzo delle Ragione, Vicenza, nach einiger Suche und Befürchtungen, zum Essen zu spät dran zu sein. Wir sitzen draußen, warm ist es nicht gerade…
