Nach Thiene


Mittwoch, 18.10.2023

Das Wetterglück verlässt uns langsam. Bewölkung zieht auf und es wird kühler.

Eine weitere Überraschung: Streikankündigung der Bahngewerkschaften in Italien für Donnerstag und Freitag. Leider hab ich schon eine Zugkarte für Freitag gekauft, hänge bei der ÖBB in der Warteschleife, schließlich gibt es keine gesicherten Auskünfte.

Im Norden von Vicenza, in Richtung der nahen, gar nicht niedrigen Berge, waren wir noch nicht; und es gibt dort auch Palladio, klar, sogar im Doppelpack, Villa Piovene und Villa Godi. Wir sind nicht weit entfernt von Valsugana und Bassano del Grappa, wo D. und ich schon früher mal rumgekurvt sind (Erlebnis: Primolano). À propos Berge: Das Hirschragout im Gasthaus am ersten Abend, über das wir uns noch lustig gemacht haben, kann also doch noch als „regional“ durchgehen.

Villaverla: Offenbar mal eine Ziegelei
Blick gegen die Alpen. Von dort der Regen.

Also starten wir, unspektakuläre Gegend, ein wenig Industrie, ein interessanter Friedhof bei Thiene (man wohnt hier gemütlich), eine Pizzeria über zwei Etagen mit Tagesmenü, ziemlich voll belegt, aber sehr in Ordnung. Mittagstisch für Arbeitende eben.

Der Friedhof bei Thiene.

Nach Zugliano geht es dann bergan, kurz nur. Villa Godi kann man nicht besichtigen, die Schwester jedoch schon. Es kommt mir vor wie bei einem Antrittsbesuch beim Nachbarn. Sind wir überhaupt richtig hier? Niemand da, eine Warnung vor dem Hund, und ja, eine Klingel immerhin. Offenbar der Wirtschaftseingang für das ehemalige Gesinde. Wir drücken: es heult eine Sirene, nichts passiert, nur der Hund bellt. Wir „klingeln“ nochmals. Ein Gesicht zeigt sich an der Mauer: Arrivo! Nachdem der Hund weggesperrt ist und wir den Eintritt entrichtet haben (wir bekommen Abrisszettel wie früher mal), dürfen wir den Park, die Kapelle und die Villa samt Garten (nur außen!) besichtigen.

Obwohl Teil des Palladio-Weltkulturerbes, ist der Bau stark in die Jahre gekommen. Man atmet die vergangenen Jahrhunderte ein, fühlt aber noch die Schönheit und Großzügigkeit der Anlage, die hoch über der Ebene thront. Eine ausladende Treppe führt über den Hügel zum Eingang.

Offenbar wohnt die Familie des Wärters der Anlage hier … (cooler Job?)

Gesehen, einen Eindruck bekommen, gut. Es beginnt zu regnen, zum Bahnhof also. In der Bahnhofbar (ja, so was haben die hier noch!) einen schnellen Cafè. Wieder zurück: Regenguss, Flucht ins nächste Kaffeehaus. Ab in die Unterkunft – halt! – vorher noch was fürs Abendessen beim Fleischer besorgen, trotz anhaltendem Regen.

Innenhof, Villa Piovene

Doch nicht ab ins Zimmer – D. will noch bei Carmen vorbeischauen, bandelt dann lieber mit Elisa an, einer echten, smarten Italienerin aus der Gegend, Stimme: Alt. Parliert wird auf mehr schlecht als recht auf englisch. Später kommt noch ein Freund, der „Professor“ vorbei, wohl über Siebzig, ruhig, milde, spricht gutes Englisch, auch Deutsch und weiß allerlei über die Geschichte der Umgegend. Elisa ist bei ihm zur Schule gegangen, bringt ihm noch immer Achtung entgegen, das merkt man deutlich. Ich denke, der muss bei der PCI gewesen sein, als sie noch „etwas war“ in Italien. Er verabschiedet sich, er hat morgen eine OP. D. und Elisa haben großen Spaß miteinander. Der Abend dauert lange …

Goethe was here (Vicenza)