Von Vicenza nach Arqua Petrarca


Samstag, 14.10.2023: Wieder Erwarten ein schöner Tag, wenn auch kühl. Am Frühstückstisch die Route festgelegt, es soll am westlichen Rand der Colli nach Este gehen. Este, weil der Name klingt (das Geschlecht der Este ist berühmt), es eine große Burganlage und einen schönen Hauptplatz gibt. Und einen schiefen Turm. Die Colli geben sich malerisch im Vorbeigleiten.

Nach dem Mittagessen nach Arqua Petrarca, das steht auf meiner Liste. Die Komoot-App will uns auf Abwege führen, wir verweigern ihr aber die Gefolgschaft und nehmen die SP21. Auf der Fahrt sehen wir die markante Festungsanlage Mastio Fredericiano, angelegt 1239 unter Friedrich II bei Monselice. Ein kurzer, knackiger Anstieg zur Piazza San Marco und links gleich das „Petrarca-Haus“.

Seine letzten zehn Jahre hat der Dichter „Canzoniere“ hier verlebt. Auf der Via Valleselle verkauft man Spirituosen der Marke Francesco und Früchte des Gartens. Wenn man das stattliche Steinhäuschen betritt, begibt man sich auf eine Reise in die Vergangenheit des 14. Jahrhunderts, wenngleich die Räume im 16.Jahrhundert renoviert wurden. Besonders schön die Holzdecken und die Fresken aus der Renovierungszeit, die Illustrationen zu den Canzoniere Petrarcas darstellen, kurios die Katzenmumie, „darunter eine Inschrift, die besagt, dass die Katze glaubt, Petrarcas große Liebe gewesen zu sein“ (Wikipedia).

Die große, platonische Liebe Petracas hieß Laura, die er in 366 Canzonieres besungen hat. Dirk Schümer holt den Dichterfürsten in seinem historischen Krimi „Die Schwarze Rose“ ordentlich vom Sockel und stellt ihn auf die ebene Erde. Er lässt Petrarca auf die Frage, wer Laura sei, antworten: „Nicht so wichtig, ein kleines Adelsfräulein hier aus der Gegend von Avignon. Habe ich letztes Jahr zu Ostern bei der Messe zufällig gesehen in der Klarissenkirche. Ganz hübsch, völlig naiv und außer zum Beten den ganzen Tag weggesperrt. Ich habe sie zu meiner Dame ernannt, zur Herrin meines Herzens. […] An Madonna Laura kommt keiner heran außer ihrem Mann, der sie jedes Jahr schwängert. Ich dagegen übe an ihrem Bild meinen Stil, meine erhabene Rede über die Liebe zur Reinheit, zur Schönheit und zu Gott natürlich auch. Laura — nomen est omen — wird mir den Lorbeer eines Dichters bescheren, wie er mir zusteht. Aber alles keusch, alles platonisch, wie Plato sagt, der Philosoph. […] Ach ja, Laura. Der Kleinen fasse ich natürlich nicht platonisch zwischen die Beine, sondern ich reime über sie. Reine Reime. Stell dir vor, ich würde über ihre Schenkel schreiben oder über ihren Busen. Dann wäre meine Karriere vorbei, bevor sie überhaupt angefangen hat. Und ihr Ehemann würde mir die Eier abschneiden. Von der erotischen Rede schreibt Cicero nichts, und das hat seine Gründe.“

Dirk Schümer: Die Schwarze Rose.

„Der? Der ist kein Dichter, sondern eine verkrachte Existenz. Francesco kann sich noch nicht einmal Pergament und Tinte zum Schreiben leisten.“

Nach der erhebenden Besichtigung geht es wieder bergab, in Richtung Battaglia Terme. Dann entlang eines Kanals nach Padua. Diese Stadt steht auch auf meiner Liste. Diesmal aber gönnen wir uns Einkehr in eine Pasticceria; erster Gaumentest mit „Cannoli siziliana“, großartig! Dann durch das wundervolle Padua zum Bahnhof und ab mit dem Zug zurück nach Vicenza. Abendessen bei Dai Birbanti in Tormeno – urig. Zunächst leichte Zweifel: Wir sind die einzigen Gäste, abgesehen von einem Alten, der im Gastgarten Grappa aus seiner Kaffeetaste schlürft. Die Speisekarte ist recht unlesbar, das Essen aber ok. Zum Abschluss werden wir vom Wirten mit Limoncello in Sojamilch und natürlich Grappa verwöhnt. Hätte zum kapitalen Absturz führen können, wir trollen uns noch rechtzeitig.

Die Fahrt nach Este.
Und weiter über Arqua Petrarca nach Padova.