Auf geht’s in den ersten Tag. Und gleich bei der Ausfahrt ein Beispiel großzügiger Radwegarchitektur. D. ist begeistert. Ich soll ein paar Fotos machen.
Ein kurzer Abstecher zum Schloss Kozel. Wie es sich für Schlösser gehört, liegt es auf einer Anhöhe über dem Tal der Otava, unsere erste kleine Bergwertung. Das Ensemble vom Ende des 18. Jahrhunderts war’s wert. Rund um das in Staatsbesitz befindlichen Schloss und dessen Nebengebäuden ein wunderschöner Park mit in die Jahre gekommenem Gewächshaus, leider schaffen wir es nicht ins Schloss selbst, wo allerlei Interessantes zu besichtigen wäre (Bibliothek, Wandmalereien, Inventar). Der Park samt großem Teich ist frei zugänglich und würde zum Flanieren einladen, wäre das Wetter etwas besser. Überall tauchen Leute auf, die sich offenbar um die Anlage kümmern, wir sind aber die einzigen Touristen, abgesehen von einer jungen Frau, die mit ihrem Kind in einer malerischen Rosenlaube an ihrem Handy hantiert.
Wir finden zum Glück auch einen Ausgang aus der Anlage über eine interessante Brücke. Weiter geht es über eine matschige Wiese, bis irgendwann wieder eine Straße auftaucht.
Gegen Mittag ein kleiner Stopp bei einem Süßwaren- und Spezialitätenladen. Es gibt Schnitzel, Leberkäse, Salate und allerlei Süßes. Um etwas von den Angeboten lesen zu können, muss der Übersetzer am Handy angeworfen werden. Aber es geht ja auch mit Händen, Füßen und ein wenig deutsch.
Nepomuk… von hierher kommt also dieser böhmische Heilige Johannes von Nepomuk, zuständig für Brücken (und das Beichtgeheimnis :). Als Generalvikar und Vertreter des Prager Bischofs hatte er das Pech, in einen Streit zwischen dem Erzbischof von König Wenzel IV. zu geraten, in dessen Folge er zunächst verhaftet, gefoltert und schließlich 1393 an der Karlsbrücke in die Moldau geworfen wurde. Ein Revival erlangte er schließlich nach seiner Heiligsprechung 1729 bei der Rekatholisierung Böhmens und stieg zu einem der wichtigsten Heiligen im Habsburgischen Reich auf. Erst jetzt errichtete man in Nepomuk die Kirche.
Der Ort selbst macht einen etwas armseligen und traurigen Eindruck, aber unsere Absteige „Zum grünen Baum“, ein Bau aus dem ausgehenden 19.Jahrhundert, entschädigt. Schwejk, schau oba!