Rocky Racoon, das D.’s Fahrrad, hat seine Selbstheilungskräfte mobilisiert, der Freilauf läuft wieder einigermaßen. Jetzt können wir zwar die Moldau nicht runter fahren, aber hinauf über Krumau / Český Krumlov und Rosenberg / Rožmberk nad Vltavou nach Vyšší Brod / Hohenfurth ist ja auch ganz nett.
Ein Wiedersehen mit Krumau… D. wartet schon auf den Nachkömmling, einen schönen Beerendrink in der Hand, nach den Brückenbögen gleich links nach der Holzbrücke.
Bei der Geschichte-Exkursion 1981 war ich schon mal da, aber die Erinnerungen sind weitgehend dahin. Eine recht alte Stadt, die sich um den Burgberg (Latrán) und ovale Insel in einem Moldauknie entwickelte; erste Erwähnung schon 1253. Ideal gelegen an der Salzstraße an einem Moldauübergang (dem dritten nach Hohenfurth und Zaton). Die Geschichte von Ort und Burg wird von vier adeligen Geschlechtern geprägt, den Wittigonen, den Rosenberg, Eggenberg (Bezug zu Graz!) und schließlich den Schwarzenberg, deren Besitz 1948 verstaatlicht wurde.
Da ich nur wenig mehr als eine Stunde Zeit habe, noch schnell auf die Burganlage, ein paar Eindrücke sammeln. Fantastisch ist die schiere Ausdehnung, sie ist nach Prag die zweitgrößte Anlage in Tschechien. Und nicht umsonst ist das Ensemble UNESCO-Weltkulturerbe, was auch am Andrang der Besucher:innen (zumal aus Fernost) zu sehen ist.
Und es geht die Moldau aufwärts weiter; kaum hat man die glänzende Stadt verlassen, kommen die Anlegestellen und Campingplätze der Paddler und ärmliche Ortschaften mit vor sich hindämmernden Industriebauten (z.B. Větřní). Nächster Stopp: Rosenberg.
Angekommen in Hohenfurt. Duschen, Hunger … Aber falsche Wahl: Das Restaurant „Inge“ eher enttäuschend. Da geht’s bei der Paddlerbude nebenan schon lustiger zu …
Das Kloster – eine große, wehrhafte Anlage – wäre einen Besuch wert. Die Geschichte holt den Reisenden wieder mal ein:
Im Gebiet von Böhmisch Krummau übertraten die Einheiten der deutschen Wehrmacht die Staatsgrenze zwischen Helfenberg und Finsterau am 1. Oktober 1938 um 14 Uhr. Am 2. Oktober um 13 Uhr überquerten diese Einheiten die Moldau und besetzten die Gemeinden Friedberg und Hohenfurth. Der rechte Flügel dieser Truppen der deutschen Wehrmacht bewegte sich von Unterhaid in Richtung Rosenberg. Inzwischen räumte die enttäuschte tschechoslowakische Armee ihre Positionen an der Grenze.
Am 17. Oktober 1938 war Gauleiter August Eigruber mit SS-Funktionären in Hohenfurth und Krummau anwesend. Der Tisch, auf dem das „Münchener Abkommen, die Abtretung der Randgebiete Tschechiens“ besiegelt wurde, kam in das Zisterzienserkloster Hohenfurth und sollte nach den Vorstellungen der NSDAP als Gedenkstätte des Sudetenlandes Verwendung finden. Bis zum Einmarsch der Amerikaner am 6. Mai 1945 in Hohenfurth war dieser mächtige historische Tisch in der Abtei des Klosters aufgestellt, wurde aber bald darauf zerlegt, verpackt und nach Prag gebracht und ist seither verschollen. 1941 wurde das Zisterzienserkloster Hohenfurth von der Gestapo beschlagnahmt und enteignet.
Am 20. Oktober 1938 besuchte Adolf Hitler Kalsching und Krummau.
Die Bezirke Kaplitz und Krummau wurden dem Gau Oberdonau (vormals Oberösterreich) eingegliedert.
https://encyklopedie.ckrumlov.cz/de/mesto_histor_himeck/