Manche Orte setzen sich fest im Kopf. Den „Böhmerwald“ kenne ich schon seit meinem Geschichtestudium. Von meinem Lehrer, Herwig Ebner – Mediävist, Sozial- und Wirtschaftshistoriker – hab ich gelernt, dass der Wald im Mittelalter zusammen mit dem Erzgebirge einen Schutzwall bildete, der die Entwicklung Böhmens als Wirtschaftsraum und politische Einheit gefördert hat. Über weite Strecken ein noch undurchdringlicher, bisweilen auch gefährlicher Urwald mit Rodungsinseln, durchzogen von einigen Handelswegen wie dem „Goldenen Steig“, auf dem das Salz aus Bayern und dem Salzkammergut nach dem salzlosen Böhmen transportiert wurde.
Manche der Orte kenne ich auch von einer der zahlreichen Geschichte-Exkursionen mit unserem Lehrer. Eine davon führte uns 1981 auch in die damalige CSSR.
Stifters „Hochwald“ und seine Schilderung der Landschaft um den Plöckenstein klingt da auch mit, bildet für mich eine weitere Facette des schillernden Begriffs „Böhmerwald“, tschechisch Šumava. Und da ist noch das „böhmische Glas“, das seit dem 14. Jahrhundert hier hergestellt wird.
Die historische Region Böhmerwald, das Nebeneinander der Tschechen, Deutschen und Österreicher, vielfach verzahnt durch die gemeinsame Geschichte, noch spürbar an den alten deutschen Ortsnamen, ist seit 1945 in dieser Form verschwunden. Eine Fiktion also, ähnlich wie die „Bukowina“.

Gründe genung, das Rad zu schnappen, sich in den Zug zu setzen, um diese Ecke Europas näher in Augenschein zu nehmen. Wir starten in Pilsen und wollen in Budweis oder Linz die Tour beenden.

