Nach Kašperské Hory / Bergreichenstein


Es geht recht gemählich übers Land, der Otava entlang bis nach Sušice / Schüttenhofen. Ein Gasthaus für den zweiten Kaffee suchen wir vergeblich. Dafür bei Pačejov / Patschiw einen schönen „Lost Place“.

Bleibt also nur der Coop / Konzum (gibts auch hier noch) und ein Energydrink. Am Rastplatz ein zu den Zeiten passendes Plakat.

Vor Sušice haben wir eine schöne Rampe, den kleinsten Gang rein und rauf, begleitet von Mohnblumen und viel Landschaft.

Dann eine Abfahrt, ein schöner Radweg am Fluss, eine Brücke, schon sind wir am Hauptplatz. Wow! Der Platz und die Häuser zeigen noch etwas von der reichen Geschichte der Königstadt am „Goldenen Steig“, am Eingang zur Šumava. Hier wurde einst Gold gewaschen (woher wohl der deutsche Name stammt), die Taboriten kamen vorbei, dann Reformation und Rekatholisierung. Und im 19.Jahrhundert die Zündholzproduktion der Firma „Solo“ (1839-2008), Älteren unter uns noch aus Jugendtagen bekannt.

In Sušice

Nach einem beschaulichen Radweg bei Sonne durch die Auen der Otava wartet eine neue Rampe nach Dlouhá Vas, es geht ein paar hundert Meter bergauf in Richtung Bergreichenstein. Mit Landschaft wird auch hier nicht gespart.

Irgendwann taucht Kašperské Hory auf einem Sattel auf, linker Hand die Burg Karlsberg Karls IV (daher der tschechische Name), einst bedeutende, königliche Bergbaustadt, die durch Goldvorkommen das Interesse der Mächtigen weckte und allerlei Privilegien genoss. Als sich die Schätze erschöpften, schrumpfte der Ort nach dem Dreißigjährigen Krieg auf 100 Einwohner:innen. 1878 eröffnete hier Franz Watzlawick die „Erste österreich-ungarische Kinderwagenräder-Fabrik“; er war übrigens Großvater väterlicherseits von Paul Watzlawick. Der später „Bohemia-Werke“ genannte Betrieb war ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Kein Wunder also, dass es hier ein Museum historischer Motorräder und Kinderwagen gibt. Heutzutage versucht sich der Ort in Sommer- und Wintertourismus, die Immobilienentwickler haben einige Hotels ins Zentrum gepflanzt.

Kašperské Hory putzt sich heraus